Etappe 6: Dhërmi (ALB) → Prizren (XKK)

Nachdem es heute erst um 8 Uhr Frühstück gab und der Checkpoint schon gestern erledigt war, ging es vorher noch einmal an den glasklaren Strand in eine menschenleere Bucht. Albanien hat wirklich wundervolle Strände.

Die ersten bergigen Strecken Küstenstraßen bin ich gefahren, die nachfolgenden 200 Autobahnkilometer dann Birgit. Wobei hier Autobahn nicht zwingendermaßen schnellfahren heißt. Zeitweise steht nämlich plötzlich aus unerfindlichen Gründen der Verkehr, parkt jemand in erster Spur, oder es kommt ein Moped auf der Autobahn entgegen. 

Aber ich persönlich finde Albaniens Verkehr super. Es gibt nämlich keine Regeln. Nur das Recht des Stärkeren oder Mutigeren. Genau richtig für uns und unser Auto. Birgit hat zwar eine Zeit gebraucht sich anzupassen, aber wie man am Navi (105 statt erlaubter 20) sieht, mit Erfolg. 

Weiter führte uns die heutige Reise nach Fushe Arrez, der Kindertagesstätte von Schwester Gratias, bei der wir unsere halbe Ladung losgeworden sind. Unsere Stoßdämpfer sind wahrscheinlich heilfroh. Der Weg dorthin führte über 50 km steile Bergstraßen und nochmal die selbe Strecke wieder herunter.

Wir haben hier den Kindern die vielen Sachspenden von euch mitgebracht. Große Teile davon haben wir bereits bei der Akkreditierung anderen Teams mitgegeben, die heute ebenfalls auf ihrer Tour durch Albanien hier Station machten. Bei einem Snack konnten wir uns mit Sr. Gratias über ihr Projekt unterhalten. Eine wirklich bewundernswerte Frau. 

Bei der Weiterfahrt von der Kindertagesstätte haben wir dann bemerkt, dass im rechten Hinterreifen keine Luft mehr war. Direkt im Ort haben wir eine kleine Werkstatt angesteuert, die uns den Reifen wieder aufgepumpt hat. Schnell war aber klar, dass wir uns irgendwo ein Loch in den Reifen gerissen haben müssen. Wir wurden zum Vulkanisierer (Gomister) weitergeschickt, der uns den Reifen um 3 Euro repariert hat. Wir hätten zwar 2 Reservereifen dabei, aber mit den freundlichen Albanern hat es gleich mehr Spaß gemacht.

Eine Besonderheit in Albanien sind auch die vielen Bunker. Die Bunker in Albanien entstanden vor allem zwischen 1972 und 1984, als unter der Herrschaft von Enver Hoxha im kommunistischen Albanien an die 200.000 Bunker erbaut wurden. Die Bunker sollten der Verteidigung des Landes im Falle einer Invasion durch ausländische Truppen dienen.

Weiter ging die Reise Richtung Kosovo über die üblichen Bergstraßen bis hin zur Autobahn, wo wir ein „albanisches Wendemanöver“ vollzogen. Also Auffahrt auf die Gegenrichtung und dann über die geöffneten Mittelleitschienen auf die richtige Fahrbahn. Hier ist das völlig normal .

Unser heutiges Ziel ist Prizren in Kosovo, einer mittelgroßen muslimisch geprägten Stadt mit sehr viel Tourismus. Unser Hotelzimmer ist wieder einmal riesig und kostet gerade einmal 30 Euro für beide inkl. Frühstück.

Auf unserem persönlichen „Freundlichkeitsindex“ der bisher bereisten Ländern ist Albanien ganz weit vorne zu finden. Ex eqo mit den Rumänen. In beiden Ländern sind die Menschen extrem offen und freundlich gegenüber Fremden. Kosovo dürfte da (zumindest was wir bisher erlebt haben) auch einen Spitzenplatz erreichen.

Allerdings spürt man hier die extreme Kluft zwischen Arm und Reich noch mehr als in Albanien. Gleich an der Grenze haben wir zum Beispiel zwei LKWs mit Spielzeugen von „schweizer Kosovaren“ gesehen, welche in ihrer Heimat Urlaub machen und u. a. drei Ferraris, einen Lamborghini und sechs weitere Luxuskarossen mitbrachten. In Prizren selbst sind einerseits die gut betuchten Touristen in Überfülle vorhanden, und gleichzeitig sind wir alleine beim Mittagessen von rd. 20 bettelnden Kindern angesprochen worden. Da ist so eine Kindertagesstätte wie von Sr. Gratias in Albanien schon eine tolle Einrichtung.

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