Fazit: „Dort wollen wir wieder hin!“

Wir haben uns lange überlegt, was wir in unserem Blog als Fazit zu dieser doch nicht ganz so gewöhnlichen Reise niederschreiben. Grundsätzlich halten wir diese Veranstaltung nämlich für eine großartige Idee.

Wer kommt schon auf den Gedanken, auf eigene Faust den Balkan zu durchfahren? Vielleicht mal nach Ungarn in eine Therme, nach Kroatien ans Meer oder mit dem Flugzeug nach Griechenland. Aber diese Strecke mit dem Auto und dann noch durch Länder wie Bulgarien oder Albanien? Das tut man sich ohne irgendeinen Background wahrscheinlich nicht an.

Von daher war es gut dass wir hier mitgefahren sind. Denn eines ist uns klar geworden: DORT WOLLEN WIR WIEDER HIN!

Wahrscheinlich schon nächsten Sommer. Dann aber mindestens für drei Wochen und mit einem Fahrzeug bei dem man nicht ständig bangen muss, ob man damit wohl durchkommt und nicht auf irgendeinem Bergpass im Nirgendwo hängen bleibt.

Wenn man etwas für diese Länder benötigt, dann ZEIT. Die hatten wir hier definitiv nicht. Wir haben es in einem der Beiträge bereits erwähnt. Es ist was es ist: Eine RALLYE.
Für Sightseeing oder zum Ausspannen war kaum Zeit. Auch wenn es noch so atemberaubende Kulissen zu sehen gab: Wir mussten weiter.

Inklusive Heimreise haben wir in den letzten 10 Tage 4.925 Kilometer in einer reinen Fahrzeit von ungefähr 95 Stunden zurückgelegt. Das ist schon eine sehr lange Zeit die man im Auto verbringt. Die Distanz ist bei den Straßen am Balkan ohnehin relativ zu sehen. Wenn uns wer nach der zurückgelegten Strecke gefragt hat, haben wir meistens nur von der Fahrzeit gesprochen. 100 km bulgarische Bergstrecken benötigen mitunter 3 Stunden, während man auf Kroatiens Autobahnen die selbe Strecke in einer dreiviertel Stunde erledigen kann.

Trotz all der Strapazen möchten wir aber spätestens in zwei Jahren wieder an dieser Rallye teilnehmen. Auch wenn wir die meiste Zeit alleine unterwegs waren, haben wir doch einige Teams kennen gelernt, die ähnlich ticken wie wir und das ganze eher als Abenteuer (Typ 1) denn als Rallye (Typ 2) gesehen haben.

Was unserer Meinung nach diese Veranstaltung aber gar nicht benötigt, ist die 3. Type an Teams und Fahrern: Denen ging es ausschließlich um Alkohol und Spaß. Meist spätpubertierende Gruppen von jungen Männern, peinlicherweise meist aus der Steiermark und Kärnten.

Spaß ist schön und gut, aber wenn er zu Lasten anderer geht, dann hört sich auch für uns der Spaß auf. Aus Jux und Tollerei sich gegenseitig reinfahren oder – wie in Rumänien und Bulgarien gesehen – auf Feldern herumfahren und mit den Autos Strohballen durch die Gegend kugeln, geht jedenfalls eindeutig zu weit. Das ist fremdes Eigentum, das hier beschädigt wird und zudem Tierfutter, welches jetzt mit Glassplittern zerborstener Heckscheiben gespickt ist. Zudem wären viele Menschen in den Ländern die wir gesehen haben froh, wenn sie überhaupt so ein Fahrzeug hätten.

Aber diesen Teil muss man ausblenden und das Schöne und Gute hervorheben. Beispielsweise unser Besuch in der Hundeauffangstation in Rumänien und die Übergabe der Sachspenden an Sr. Gratias von der Kindertagesstätte in Albanien. Die Übergabe der Geldspenden an die Vinzenzgemeinschaft erfolgt auch demnächst.

Wenn wir jedenfalls die nächste Reise durch den Balkan unternehmen, dann sind die beiden obigen Einrichtungen sicher fixer Bestandteil unserer Tour.

Grundsätzlich haben wir uns in fast allen Ländern wohl gefühlt und sind meist auf freundliche Menschen gestoßen. Einzig die beiden Länder Kosovo und Bosnien werden uns wohl nicht mehr sehen. Hier weicht plötzlich die ansonsten so freundliche Stimmung und wird schlagartig zu einem grundsätzlichen Misstrauen Fremden gegenüber. Wir haben uns in den beiden besuchten Städten Prizren und Mostar absolut unwohl gefühlt und Birgit als Frau noch viel mehr. Was wohl auch der muslimisch geprägten Bevölkerung geschuldet ist. Unser Etappenabschluss-Bier war in beiden Städten durch einen skeptischen Blick des jeweiligen Kellners bzw. einer Bestätigung des Mannes, dass seine Frau „auch wirklich ein Bier trinken darf“ begleitet. In diesen beiden Ländern ist der krasse Unterschied zwischen arm und reich auch am Deutlichsten zu spüren.

Ganz klarer Favorit unserer Reise war Albanien. Auch wenn ebenso muslimisch stark geprägt, sind hier die Menschen ganz anders. Und erst die Natur! Diese glasklaren Meere und dazu die herrlichen Berge. Die Straßen waren zwar recht abenteuerlich, aber die vielen Bergpässe von atemberaubender Schönheit.

Unser zweiter Favorit war Rumänien. Hier waren die Menschen mit Abstand am Freundlichsten. Bulgarien ist zwar ähnlich schön, aber der „Ballermann“ (Goldstrand) hat uns den Gesamteindruck etwas getrübt. Obwohl die Berglandschaft in Südbulgarien wieder vieles gut gemacht hat.

Griechenland war für uns eine herbe Enttäuschung. Dreckige Meere, vermüllte Landschaften und alles teurer als bei uns. Hauptsache die EU finanziert ein Projekt ums andere und in Betrieb geht davon kaum was. Auf unserer Reise konnten wir einige solcherart finanzierte Bauruinen ausmachen. Da geht der gestrenge Rechnungshofprüfer mit einem gleich durch 😉

Abschließend noch ein paar Worte zum wichtiges Mitglied unserer Reise: Unseren 1998er Audi A6. Der hat tatsächlich bis zum Schluss durchgehalten. Auch wenn wir ihn auf der letzten Etappe aufgrund von Startproblemen bei heißem Motor gar nicht mehr abgestellt hatten. Ansonsten hatten wir nur einen Reifenschaden und fertig gefahrenen Belägen vorne zu beklagen. Motoröl mussten wir in etwa 2 Liter nachfüllen.

Sollten wir in zwei Jahren wieder mitfahren dann würden wir in Punkto Autowahl aber sicher vieles anders machen: Das Auto muss dann jedenfalls höher sein und Allrad wäre auch nicht schlecht. Platz und viel Leistung sind ein weiteres Kriterium. So oft wie wir aufgesessen sind wundert es uns, dass nichts Gröberes passiert ist.
Das Teilnehmerfeld die Fahrzeuge betreffend war jedenfalls sehr durchmischt:

Vom tiefergelegten Amisportwagen über biedere deutsche Kombis bis hin zu richtigen Offroadern war alles dabei.

Eine lustige Feststellung noch am Rande: Wir haben für unsere Reise zig CDs mitgenommen und Gigabytes an Musik heruntergeladen. Musik gehört haben wir original 3 Minuten bis wir uns beide angesehen haben und fast gleichzeitig festgestellt haben, dass wir lieber die Stille geniesen oder uns unterhalten. 95 Stunden lang 🙂

Auch wenn uns dieses Vorhaben oftmals an den Rand des Wahnsinns gebracht hat und uns wirklich hart auf die Probe gestellt hat, sind wir dennoch in 95 % der Zeit der selben Meinung gewesen. Fahrtechnisch haben wir uns ohnehin gut ergänzt. Birgit fuhr auf den schnelleren Straßen um Meter zu gewinnen und mein Metier waren die Bergstraßen und sonstiger, kaum befahrbarer straßenähnlicher Untergrund. Lediglich das mit dem Navigieren liegt Birgit weniger. Aber so ein kleiner Umweg von 100 km kratzt uns nach dieser Tour nicht mehr 😉

Nach 10 Tagen und knapp 5.000 km können wir jedenfalls mit stolz behaupten, ein eingeschworenes Team geworden zu sein. Nur den „Albanien Driving Style“ müssen wir uns für die Heimat wohl wieder abgewöhnen 🙂

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