Und wieder schlängeln wir uns entlang der elendslangen Straßen der Bucht von Kotor, quälen uns durch die Stadt Kotor und arbeiten uns Meter für Meter die Serpentinen hoch ins nordöstliche Landesinnere. Mit jedem Meter an Höhengewinn sinkt auch merkbar die Temperatur. Von morgens schon über 30 Grad am Meer (der Höchstwert der letzten Tage war 38 Grad) und dem schweißdurchtränkten Abbau unserer Zeltstadt, erreichen wir schlussendlich 3 Stunden später kühle 19 Grad an unserem nächsten Etappenziel, dem Durmitor Nationalpark in Montenegro.
Der (erneut überworfene) Plan lautet diesmal: zwei Tage eine Unterkunft anmieten, die Schmutzwäsche wieder tagestauglich zu bekommen und die angenehmen Temperaturen bei Wanderungen zu genießen. Und zu guter letzt unser Packsystem noch einmal zu überdenken.
Wir haben Glück und die von uns angepeilte Unterkunft hat gerade noch eine Hütte frei. Der Empfang war überaus herzlich und neben selbst gebranntem Birnenschnaps aus der Plastikflasche wurden wir zudem zu einem Barbecue eingeladen, weil wir heuer die ersten Gäste aus Österreich waren, welche hier anscheinend gerne gesehen werden.





So haben wir also auch hier Alm-Flair so wie bei uns zuhause in Trahütten und zudem direkt vor dem Fenster eine Wahnsinnsaussicht auf das Durmitormassiv mit dem offiziell höchsten Berg Montenegros, den Bobotov Kuk (2.522 m). Die geringfügig höheren Gipfel des Zla Kolata (Maja Kolac) mit 2.534 m und des Maja Rosit mit 2.528 m im Prokletije-Massiv liegen nämlich bereits an der Grenze zu Albanien und mit den Albanern will hier sonderbarerweise keiner etwas zu tun haben.





Und wenn wir schon bei Rekorden sind: Auch in Punkto „Tiefste Schlucht“ hat Montenegro einen Stockerlplatz zu bieten. Die spektakuläre Tara-Schlucht begleitet den längsten Fluss Montenegros, die Tara und erreicht teilweise Tiefen bis zu 1.300 m. Damit ist die Tara-Schlucht nicht nur die längste und tiefste Schlucht Europas, sondern hinter dem Grand Canyon auch der zweitgrößte Canyon der Welt. Auf unserer Wanderung auf den Ćurevac konnten wir bei einer atemberaubenden Aussicht die Tiefe teilweise nur erahnen. Leider kommt das auf den Bildern nicht so gut zur Geltung, denn das Objektiv der Spiegelreflexkamera fokussiert nicht mehr richtig und wir müssen daher lediglich mit den Handykameras auskommen. Auf unserem Weg zum (gipfelkreuzlosen) Gipfel zierten unzählige Kristalle den Wegesrand, welche zu meinem Leidwesen auch unsere Rucksäcke immer schwerer machen.



Überhaupt ist die Landschaft hier einzigartig. So einzigartig dass kaum ein Weiterkommen ist, da Birgit ständig im Blumen- und Kräutermeer ihre neueste Kräutererkennungs-App ausprobiert und ebendiese bestimmen lässt.






Weite saftig grüne Wiesen wechseln sich mit mächtigen Bergmassiven ab und dazwischen finden sich immer wieder einzigartige Seen. Von denen haben wir heute sogar drei erkundet. Den Touristen-Hotspot Crno jezero (Schwarzer See) haben wir nur gestreift uns sind gleich direkt weiter zum Zminje Jezero (Schlangensee). Heute Abend haben wir dann noch den Vražje jezero, den Teufel See um den sich eine spannende Sage dreht, besucht. Diesen See hatten wir vorab eigentlich zum frei stehen auserkoren, aber dann haben wir doch die zwei Tage „Luxus“ vorgezogen. Jetzt wo wir ihn gesehen haben, bereuen wir aber diesen Schritt. Leider ist nämlich für morgen Regenwetter und maximal 17 Grad angesagt. Der Teufel See muss also noch warten. Zumindest bis morgen, denn da möchten wir nochmals hin um wenigstens zu fotografieren und die heute nicht mehr von uns entdeckten Stecci-Grabsteinen aus dem Mittelalter zu finden.


Der weitere Verlauf der Reise ist wieder einmal völlig offen. Zum einen möchte wir noch unbedingt die Đurđevića-Tara-Brücke besichtigen, zum anderen wäre da die Esel-Farm die nur sonntags geöffnet hat. Zudem möchten wir über Vermosh nach Albanien einreisen. Natürlich liegt alles in entgegengesetzten Himmelsrichtungen…

