Go south! – Etappe 8 (23.-26.7.) – AL

Nachdem der Familienrat – also Birgit und Emily – beschlossen hat, die nächsten Tage lieber an Albaniens Stränden zu verbringen, anstatt durch den wunderschönen Komani Stausee ins Hinterland zu schippern, haben wir uns kurzerhand in Richtung Süden aufgemacht.

Gleich zu Beginn der Fahrt stand ein Ausflug auf die Burg Rozafa, eine Burgruine am südlichen Rand der Stadt Shkodra, an. Die Geschichte dieser Burg geht bis ins 4. Jhd. v. Chr. zurück. Auch heute noch lassen die noch bestehenden Ruinen enormen Ausmaßes erahnen, welch wichtige Bedeutung dieser Standort einst gehabt haben muss.

Anschließend ging es weiter zum Fisch essen zur Patok Lagune. Hier reiht sich ein Fischlokal ans andere. Teilweise sind die Lokale mit Stelzen in die Lagune gebaut, was recht spektakulär aussieht. Leider war dieser Trip wegen der Fische schlussendlich auch für die Fische. Trotz guter Bewertung konnte uns das Gebotene nicht überzeugen.

Weiter ging die Fahrt auf die Suche nach einem Standplatz direkt am Meer. Leider ist es aber in der Hauptsaison fast unmöglich, einen ruhigen Strandabschnitt zu finden, der trotz 4×4 erreichbar wäre. So war uns das Glück, einen Standplatz zum Freistehen an den Sandstränden von Rrjolli und Tales zu finden, nicht hold. Wegen der bereits fortgeschrittenen Stunde haben wir schließlich den Campingplatz Malicamp, welcher von den deutschen Aussteigern Sandra und Guido geführt wird, aufgesucht. Dieser wunderschöne Platz liegt etwas ins Landesinneren direkt am Fuße der Stadt Kruja.

Am nächsten Morgen ging es dann weiter entlang des mittlerweile recht gut ausgebauten Straßennetzes in Albanien. Wir fuhren erstmals auf richtigen Autobahnen mit einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h. Dieser Umstand scheint aber bei vielen Albanern noch nicht angekommen zu sein. Neben vollbeladenen Tuk Tuks und mit 50 km/h gemächlich dahin schippernden Uralt-Mercedes, rasen daneben Exil-Albaner mit ihren SUVs mit weit über 150 km/h dahin. Da muss man schon höllisch aufpassen, eine halbwegs passable Fahrweise zu wählen. Aufpassen muss man auf den Autobahnen auch vor den Brücken die plötzlich Auftauchen und mit einer 50er-Beschränkung versehen sind. Dies aus gutem Grund, denn durch die steilen Rampen und Anfahrtswinkel kann es gut sein, dass man sich plötzlich wie Knight Rider in K.I.T.T. mit Turbo Boost vorkommt.

Auf der Suche eines Standplatzes für die nächsten Tage kamen wir am Karavasta Nationalpark vorbei. Der Nationalpark ist ein bedeutendes Refugium für einige selten gewordenen Wasservögel, insbesondere als Überwinterungsgebiet von Zugvögel, aber auch für Seeadler und vor allem Pelikane. Der rund vier Kilometer lange Wanderweg zu den Nistplätzen der Pelikane erschien uns bei 35 Grad und den vielen Stechmücken dann aber doch nicht sonderlich prickelnd.

Wir steuerten daher früher als geplant die wunderschöne Zvernec-Bucht an. Diese liegt etwas nördlich der Stadt Vlora und ist noch so gut wie unerschlossen. Dennoch verirren sich auch hierhin – vorallem jetzt am Wochenende – viele Albaner. Aber auch einige Overlander haben hier ihr Quartier aufgeschlagen, was uns nicht weiter störte. Was Birgit und ich aber weniger leiden können, sind die von uns liebevoll „Detlefs“ getauften Wohnmobil-Enthusiasten – meist deutscher oder tschechischer Herkunft – welche meinen, auch überall hinzukommen. Entweder scheitern sie jedoch bereits am steilen und engen Zufahrtsweg oder sie fahren sich dann ohnehin im Sand fest. Liebe Detlefs, tut euch und euren fahrbaren Untersätzen bitte den Gefallen und bleibt auf befestigten Campingplätzen!

Für uns war die Zufahrt aber kein Hindernis und so haben wir dieses mal unseren Ranger direkt am Meer geparkt, um die nächsten drei Tage auszuspannen. Mit unseren rd. 70 Litern Brauch- und Trinkwasser wäre sich auch leicht eine dritte Nacht ausgegangen. Durch das Solarmodul auf dem Dach sind wir Strom und Kühlung betreffend ohnehin autark. Und zur Not haben wir auch Gas …

Emily hat den Strandaufenthalt sichtlich genossen und beim Tauchen unzählige Muscheln gesammelt. Tagsüber besuchten uns viele streunende Hunde. Leider waren auch einige Exemplare dabei, deren Vergangenheit augenscheinlich nicht so rosig ausgesehen hat. So auch ein besonders schöner schwarz-weißer Rüde, dem nicht nur die Rute gekürzt, sondern auch beide Ohren abgeschnitten wurden. Nachmittags kam dann der Hirte mit seiner Ziegenherde vorbei und des nächtens wurde eine Kuhherde zu unserm Nachbarn. Emily hat auch eine scheue Schildkröte und einen Meerhasen (Meeresschnecke) entdeckt.

Heute soll es weitergehen in Richtung Süden zu einem Bio-Campingplatz in Lukova, ehe wir in den nächsten Tagen irgendwann den südlichsten Punkt Albaniens erreichen werden.

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